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Nollywood: Zentrum afrikanischer Popkultur

 

Auch wenn es hierzulande wenig bekannt ist, hat die weltweit zweitgrößte Filmindustrie ihren Sitz in Nigeria. Mit einem Budget von durchschnittlich 15.000 Dollar pro Film werden in kürzester Zeit Filme gedreht. Trotz aller Widrigkeiten wie häufigen Stromausfällen werden wöchentlich rund 40 Filme veröffentlicht. Diese werden auf dem Markt verkauft oder in Kinos gezeigt.

 

Die lokalen Produktionen sind so beliebt, dass sie in den Kinos sogar gegen Streifen aus Hollywood bestehen. Das mag beim ersten Hinsehen aufgrund der schlechten Filmqualität verwundern. Auf den zweiten Blick allerdings ist dies nicht ganz verwunderlich, bieten die Darsteller der Filme und deren alltäglichen Probleme Identifikationsfiguren für das afrikanische Publikum. Liebesgeschichten, Komödien oder Geschichten von Voodoo, staatlicher und traditioneller Macht, unehrlichen Polizisten, Prostitution und AIDS sind Themen auf Nollywoods Leinwänden. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele der Filme neben Englisch auch in den Regionalsprachen Yoruba, Hausa und Igbo produziert werden.

 

Auch weit über Nigerias Grenzen sind die Filme erfolgreich und verbreiten sich in anderen anglophonen afrikanischen Ländern und in der afrikanischen Diaspora weltweit. Die nigerianische Filmindustrie entstand 1993, ganz ohne ausländische Investoren oder Entwicklungshilfe, und bietet mittlerweile Tausenden von Menschen Arbeit. Zuletzt erzielte die Verfilmung von Chimamanda Adichies Roman „Half of a Yellow Sun“ weltweite Erfolge. Der Film war mit einem Budget von zehn Millionen US-Dollar gedreht worden.

 

Aber nicht nur Filme werden in Nollywood produziert. Auch nigerianische Popmusik wird fast überall in Sub-Saharaafrika gehört. Beispiele für bekannte nigerianische Künstler/-innen sind P-Square, Chidinma und Davido. Sie sind auch auf Streaming-Plattformen wie Spotify zu finden.

 

Der Künstler HM Sarkis kam als Kind libanesischer Einwanderer nach Nigeria, wo er zwischen zwei Kulturen aufwuchs. Seine Zeit dort und die Erfahrung, als Einwanderer nirgendwo hin zu passen, verarbeitet er in seinen Bildern. In ihnen sieht er auch Verbindungen zu den Themen Ungleichheit, (Neo-)Kolonialismus und der westlichen Welt.