Armut

Afose Sulayman Senayon: Ohne Titel

 

Lagos ist eine der ärmsten Megastädte weltweit. Die hohe Geburtenrate in der Metropolregion selbst trägt ebenso zum rasanten Wachstum bei, wie die vielen Zuwanderer aus dem Umland. Tag für Tag strömen etwa 6000 Menschen in die Stadt. Informelle Siedlungen entstehen an allen Ecken, denn das staatliche Wohnungsbauprogramm deckt den hohen Bedarf nicht ab. Oft leben die Menschen in prekären Umständen. Verschmutztes Wasser, mangelhafte Abfallentsorgung und Sanitäranlagen zählen zu den drängendsten Problemen.

 

Ein Venedig für Arme: Makoko

„Makoko“ ist ein Slum mit mehr als 100 000 Bewohner/-innen in der Lagune von Lagos und auf hölzernen Pfählen komplett ins Wasser gebaut: Vom Telefonladen bis hin zur Bank – alles kommt auf Booten. Das Viertel besteht schon seit mehr als 200 Jahren. Die meisten der Häuser sind illegal errichtet. Die Regierung hatte deshalb schon einmal mit dem Abriss begonnen, um das Stadtbild zu verschönern. Nach einem Todesfall, in den die Polizei verwickelt war, wurde das Vorhaben vorerst gestoppt.

Um sich gegen den drohenden Abriss zu wehren, wurde von einem nigerianischen Architekten und mit großer Unterstützung der Makoko-Bewohner/-innen die „floating school“, eine schwimmende Schule, gebaut. Sie ist 10 Meter hoch, schwimmt auf 250 Plastikfässern und soll ein Beispiel für weitere Bauten (zum Beispiel Krankenhäuser, Spielplätze) sein. Noch ist die Schule nicht in Betrieb, weil sie nach Regierungs-Angaben ohne Genehmigung gebaut worden ist. Doch das Architekturprojekt zeigt, dass ein Slum mit gutem Willen sein Gesicht verändern kann – von der Schmuddelecke zum Vorzeigeviertel.