Armut

Sarah Berberich und Tim Winter: Ruandas Gegensatz von Armut und Reichtum

Ruandas Gegensatz von Armut und Reichtum ist in der Hauptstadt Kigali am deutlichsten. Das Foto entstand während eines Spaziergangs durch das Viertel Kacyiru, wo sich die Häuser der lokalen Bevölkerung neben Kigalis Golfplatz reihen. Wir sahen Kinder, die den Spieler/-innen zusahen, Menschen, die dort Wasser holten, und andere, die die Grünfläche als Toilette benutzten.

Im Jahr 2000 verabschiedete die ruandische Regierung unter Präsident Kagame die sogenannte “Vision 2020”. Dieser ehrgeizige Regierungsplan soll Ruanda zu einem Dienstleistungszentrum und einem Land der mittleren Einkommensgruppe machen und so auch die Armut verringern.

 

Die nationale Strategie zur wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung für die Jahre 2008 bis 2013 hatte das Ziel, den Anteil der in Armut lebender Menschen zu halbieren. Es gab wichtige Fortschritte, aber das Ziel wurde nicht ganz erreicht. Auch wenn in den letzten zehn Jahren rund eine Million der Ruander/-innen der Armut entfliehen konnten, leben 40 Prozent noch immer unter der Armutsgrenze. Ruanda ist das Land mit der größten Einkommensschere in Ostafrika. Vor allem das Gefälle zwischen der Hauptstadt Kigali und der ländlichen Regionen ist groß.

 

Die Vision 2020 soll Ruanda zu einem Musterstaat in Afrika machen und Kigali komplett umbauen. Doch für diesen Masterplan werden teils drastische Maßnahmen ergriffen. Man setzt auf den wachsenden urbanen Mittelstand, leider oft auf Kosten der ärmeren Bevölkerung. Alteingesessene Händler/-innen müssen aus dem Stadtzentrum weichen und Platz für neue Shoppingcenter machen. Arme Wohnviertel werden abgerissen, ihre Bewohner/-innen enteignet und an den Stadtrand zwangsumgesiedelt, während in der Stadt moderne Bürogebäude, Hochhäuser und neue Siedlungen für die Besserverdienenden entstehen.