Wenn es um Afrika geht, sieht man meist dieselben Bilder: Armut, Aids und Bürgerkriege auf der einen und Lehmhütten, Steppen und wilde Tiere auf der anderen Seite. Die Ausstellung “Sichtwechsel” zeigt den Kontinent Afrika von einer Seite, die viele Menschen in Deutschland nicht kennen: das pulsierende Leben in den Metropolen Addis Abeba (Äthiopien), Kigali (Ruanda) und Lagos (Nigeria).

Die Ausstellung hinterfragt damit vermeintliche Gewissheiten und stellt sich gegen Vorurteile, die durch einseitige Berichterstattung und Werbung hervorgerufen werden. Damit laden wir zu einem “Sichtwechsel” ein, um den vielfältigen Kontinent Afrika differenzierter zu betrachten.

Das Besondere an der Ausstellung ist, dass die Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner mit ihren eigenen Bildern vom urbanen Leben erzählen. Sie sind es, die ihre Städte kennen, wahrnehmen, tagtäglich erleben und prägen. Deshalb wollen wir versuchen, die Städte durch die Augen der Menschen sehen, die in ihnen wohnen. Was macht für sie ihre Stadt aus, wie beeinflusst die Stadt ihr Leben, wo verbringen sie ihre Freizeit? Um das herauszufinden, haben wir eine Ausschreibung in den Städten gestartet und 281 Einsendungen erhalten.

Mit diesen haben wir eine Ausstellung konzipiert, die im September 2014 in den Breidenbach-Studios in Heidelberg zu sehen war. Damit noch mehr Menschen die Möglichkeit zum „Sichtwechsel“ haben, verleihen wir die Ausstellung seitdem innerhalb des deutschsprachigen Raums. Wenn auch Sie die Bilder in Ihrer Stadt zeigen wollen, finden Sie hier Informationen zum Verleih.

Horst Köhler, deutscher Bundespräsident von 2004 bis 2010, über "Sichtwechsel": "Jedes Nachdenken über Afrika fängt bei den Bildern im Kopf an. Bei Afrika denken viele vor allem an solche Wörter wie Krisen, Konflikte, Kriege, Katastrophen, Krankheiten, Korruption… Die Journalistin Veye Tatah beklagt: "Das unspektakuläre, alltägliche Leben der Afrikaner findet in den Berichten selten Platz, die aktiven Protagonisten sind immer der 'hilfreiche' Westen, und die passiven Hilfsempfänger sind meistens die Afrikaner." In Spielfilmen wiederum, wo oft das Klischee der weiten Steppen und schönen Sonnenuntergänge auf dem Lande bedient wird, dient Afrika oft nur als Kulisse für weißen Herzschmerz. Und das pulsierende, kreative Stadtleben in Afrika kommt in den medialen Darstellungen nur selten vor. Dabei gibt es in Afrika mehr Millionenstädte als in Europa! Die Ausstellung "Sichtwechsel" will uns einen neuen, frischen Blick auf Afrika ermöglichen. Sie kann beitragen, die Bilder in unserem Kopf langsam zu verändern. Die Bilder, die die Ausstellung zeigt, sind nicht die unsrigen: Sie sind von den Menschen gemacht worden, die in den beteiligten afrikanischen Städten leben. Sie lassen uns an ihrer Perspektive auf ihre Heimat teilhaben. Das Ergebnis ist bewegend und oft auch überraschend. Hoffentlich macht es auch Neugier darauf, diesen Kontinent der unermesslichen Vielfalt neu zu entdecken, jenseits der Klischees. Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung vielen Besucherinnen und Besucher einen "Sichtwechsel" ermöglichen wird."

Das Ausstellungsprojekt "Sichtwechsel" wird von einer Gruppe junger Menschen organisiert, die sich über das Freiwilligennetzwerk WinD kennengelernt haben. Die meisten von uns haben am "weltwärts"-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung teilgenommen und ein Jahr lang in einem Land in Sub-Sahara-Afrika gelebt und gearbeitet. Bei unserer Rückkehr sind wir darüber erschrocken, wie einseitig und klischeebehaftet die Berichterstattung und Werbung in Deutschland sogenannte Entwicklungsländer darstellt. Deshalb wollen wir nun die Erfahrungen, die wir vor Ort gemacht haben, weitergeben und auf die enorme Vielfalt des afrikanischen Kontinents hinweisen.

Ausgezeichnet 2016
Ausgezeichnet 2016